Wochenbett

Das Wochenbett wird in unserer Gesellschaft oft unterschätzt. Dabei sind die ersten Wochen nach der Geburt eine der intensivsten Zeiten im Leben einer Frau. Hier liest du, was dich erwartet – und wie du dich in Ruhe darauf vorbereitest.
Das sind die ersten 6–8 Wochen nach der Geburt und es wird da nochmal zwischen Früh- und Spätwochenbett unterschieden.
Das Frühwochenbett (die ersten 10 Tage) ist die Zeit des Ankommens mit deinem Baby. Meine Erfahrung als Hebamme ist, dass wenn ihr euch genug Zeit und Raum und Ruhe einplant für diese Zeit, die Regeneration umso schneller ist. Der Besuch kann ruhig warten bis ihr sagt, dass ihr soweit seid. Das Haus muss mal nicht aufgeräumt sein. Man kann sich auch mal Essen liefern lassen. Viel wichtiger ist, dass ihr diese Zeit ernst nehmt und schützt und genießt. Und tagsüber wenn das Baby schläft, alles stehen und liegen lasst und auch schlaft. Ihr müsst ja schließlich das Schlafdefizit der letzten Nacht nachholen und fit für die nächste sein. Denn die Neugeborenen schlafen meist tagsüber bestens – und es muss dazu nicht mucksmäuschenstill sein! – und sind nachts aktiver.
In diesen 10 Tagen bildet sich deine Gebärmutter zurück, die Milchbildung kommt in Gang, die Hormone spielen ein bisschen verrückt, vielleicht hast du deshalb auch den Babyblues und weinst ein paar Tage lang. Dein Wochenfluss (die Blutung) wird schon etwas weniger.
Schön ist dieses Frühwochenbett besonders, wenn ihr euch darauf vorbereitet und besprecht, wie ihr euch das vorstellt. Beim 1. Kind klappt das noch sehr gut, dass man schläft, wenn das Kind schläft. Bei jedem weiteren ist es gut, wenn ihr euch schon vorher Hilfe organisiert die euch das große Geschwisterchen mal ein paar Stunden abnimmt, damit ihr auch tagsüber zu einem Schläfchen kommt.
Im Spätwochenbett spielt sich alles langsam wieder ein: die Wunden heilen, du spürst deinen Beckenboden wieder besser, die Hormone pendeln sich langsam ein, das Stillen läuft in der Regel da schon richtig gut. Versuche auch da noch einen Gang runterzuschalten. Wenn du stillst und zu viel Stress hast, kann es sein, dass deine Brüste dir ein Zeichen geben, wenn es zu viel ist (Milchstau). Eine wunderbare Gelegenheit zu lernen, auf den eigenen Körper zu hören und die Grenzen wahr- und ernst zu nehmen….
• Organisiere dir unbedingt Hilfe für die ersten 10 Tage
• Wenn es schon Geschwister gibt, nehmt euch täglich auch für diese Quality-time (muss nicht lang sein, aber ungestört)
• Schlaft tagsüber so viel wie möglich, denn die meisten Neugeborenen sind nachtaktiv
• Trinke täglich 2–3 l, am besten Wasser und Stilltee (außer du hast gerade deinen Milcheinschuß und die Brüste sind gerade sehr prall, dann warte ein paar Tage bis sie wieder weich sind). Keinen Pfefferminz- und Salbeitee trinken, diese hemmen die Milchproduktion. Getränk beim Stillen immer neben dir haben, denn Stillen macht sehr durstig
• Esse genügend, gesund, vielseitig und genügend Ballaststoffe. Du darfst beim Stillen alles essen, auch Bohnen, Knoblauch und Co. Die Gase aus deinem Darm landen nicht in der Muttermilch!
• Wärmflasche für Nachwehen und Verspannungen
• Lieferdienst fürs Essen (Freunde, Verwandte, Lieferservice oder vorgekocht)
• Wenn du den Babyblues hast und ein paar Tage viel weinst, lass den Tränen ihren Lauf und rede ganz viel darüber (z.B. mit deinem Partner oder einer anderen Vertrauensperson). Vielleicht musst du das Geburtserlebnis noch verarbeiten?
• Eine Hebamme (die du natürlich vorher schon kennengelernt hast)
• Nehme bei Heißhungerattacken statt Süßigkeiten lieber mal ein paar Nüsse oder Datteln zu dir. Datteln sind im Wochenbett übrigens sehr gut, da sie viele Ballaststoffe und die Aminosäure Tryptophan enthalten (Grundbaustein für das Glückshormon Serotonin und Schlafhormon Melatonin)
• Vorher geregelte Besuchszeiten (und am besten gleich die Maximaldauer festlegen), am besten erst ab dem 10. Tag
Aufs Leben deines Kindes gesehen ist das Wochenbett eine ganz kurze und ganz besondere Zeit. Der Alltag kommt ganz von alleine wieder. Genießt diese Zeit des vielen Kuschelns und seht es ruhig als ein Geschenk. Eure eigene Entspannung hat große Auswirkungen auf euer Baby….